Sozial

Vereinbarkeit von Mineraldünger und Umwelt

Moderne Agrarwirtschaft und die Herausforderung Zukunft

Während einst Nahrungsmangel und Krankheiten dafür sorgten, dass sich Sterbe- und Geburtenraten die Waage hielten, steigt die Weltbevölkerung heute kontinuierlich an. Grund dafür ist vor allem der medizinische Fortschritt. Eine Tatsache, von der wir enorm profitieren. Doch die Folgen sind bereits spürbar und stellen die Agrarwirtschaft vor große Herausforderungen.

Schon heute leben fast 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde. Bei einem anhaltenden Zuwachs von etwa 1,2 Prozent pro Jahr würden alle zwölf Jahre eine weitere Milliarde Menschen hinzukommen, prognostiziert das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Das sprengt nicht nur jegliche Vorstellungskraft, sondern auch den Vorrat an Grundnahrungsmitteln.

Nicht genügend Ackerfläche
Hinzu kommt, dass in Schwellen- und Entwicklungsländern die Nachfrage nach höherwertigeren Nahrungsmitteln wie etwa Milch oder Fleisch steigt. Zugleich beansprucht die Produktion von Energiepflanzen wie zum Beispiel Biodiesel immer mehr Ackerfläche. Damit wächst automatisch der Bedarf an landwirtschaftlichen Gütern wie Getreide, Mais und Raps.

Zwar sind Anbauflächen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen – wie auch das Statistische Bundesamt bezüglich Baumobst in einer Pressemitteilung im September 2017 bestätigte – dennoch sind diese begrenzt. Es müssen folglich die Erträge auf bestehenden Flächen gesteigert werden, um genügend Nahrung für die wachsende Bevölkerungszahl bereitzustellen.

Bedarfsgerechter Düngereinsatz
Wenn die Produktion sowohl von Nahrungsmitteln als auch von Bioenergie ausreichen soll, ist es umso wichtiger, auf moderne Anbaumethoden zu setzen. Mit anderen Worten: auf gezielten Pflanzenschutz und bedarfsgerechte Düngemittel. Denn neben ausreichend Wasser benötigen Pflanzen bestimmte Nährstoffe wie Phosphat und Spurenelemente wie beispielsweise Zink. Diese sind allerdings nur in mineralischem Dünger enthalten. Folglich steigt die Nachfrage an letzterem, der im Unterschied zum organischen Dünger industriell hergestellt wird.

 

Risiken und Nebenwirkungen
Experten sind sich einig: auf das richtige Maß kommt es an. Dem Umweltbundesamt zufolge sind ein sparsamer Umgang und eine an den Pflanzenbedarf angepasste Dosierung von Mineraldünger besonders wichtig, um negative Auswirkungen auf die Umwelt zu verhindern. Zudem ist die Herstellung sehr energieaufwendig, was mit einem hohen Ressourcenverbrauch und Emission von Treibhausgasen einhergeht. Laut Umweltbundesamt können sich insbesondere Stickstoff und Phosphor negativ auf die Bodenfruchtbarkeit und die Gewässerqualität auswirken.

Ein Blick nach Deutschland
Um stoffliche Risiken durch die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln auf landwirtschaftlich genutzten Flächen weiterhin zu verringern, gilt seit Juni 2017 die Düngeverordnung (DüV) in Deutschland. Diese regelt nicht nur die Benutzung von den bereits genannten Stoffen, sondern soll auch den Umwelt-und den Gewässerschutz unterstützen. In diesem Zusammenhang sind Landwirte unter anderem dazu aufgefordert, ihre Düngungen schriftlich zu dokumentieren und Sperrfristen einzuhalten.

Die Herausforderung der Düngemittelhersteller
Apropos Nachhaltigkeit: Die hat auch Eurochem, einer der drei größten Düngemittelhersteller Europas, erkannt und arbeitet nach eigenen Angaben aktiv daran, die Umweltbelastung durch die Produktion zu reduzieren. Möglich gemacht würde dies, so Eurochem, indem alle durchgeführten chemischen Prozesse minimiert und gleichzeitig der Ertrag des geförderten Phosphat- und Kalirockens maximiert werde. Zudem stehe auch die Reduzierung des Wasserverbrauchs während der Herstellung und des Einsatzes von Dünger im Fokus.

Neben der Nachhaltigkeit ist auch die Qualität des jeweiligen Erdreichs ein wichtiger Faktor für die mineralische Düngerproduktion. Denn nicht jeder Boden ist gleich – vielmehr benötigt er je nach Art unterschiedliche Nährstoffe für eine ertragreiche Ernte. So hat beispielsweise Eurochem für Acker-, Gemüse-, Obst- und Weinbau für den jeweiligen Bedarf an Nährstoffen und Bodenfruchtbarkeit verschiedene Kunstdüngerarten hergestellt. „Die Kombination ist keine triviale Aufgabe“, betont Dr. Alexander Landia.

Wie wird die Zukunft aussehen?

Wenn die Weltbevölkerung wie prognostiziert ansteigt, müssen bis 2050 eineinhalb bis zweieinhalb Milliarden Menschen mehr mit Lebensmitteln versorgt werden als heute. Egal, ob konventionell oder ökologisch: Intelligente Agrarwirtschaft wird wichtiger denn je, denn sie entscheidet darüber, wie satt wir werden.

Dieses Interview wurde in Zusammenarbeit mit The Business Debate Korrespondentin Sarah Lockett und unserem Interviewpartner Dr. Alexander Landia, Chairman von EuroChem, gefilmt.

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