Finanzen

So attraktiv ist der Brotkorb Europas

Boomende Agrarwirtschaft: Ukraine lockt Investoren an

Zu einem der wohl außergewöhnlichsten Reiseziele gehört derzeit die Ukraine. Das zeigten auch die Aussteller des ukrainischen Standes auf der diesjährigen Internationalen Tourismusmesse (ITB) in Berlin. Der 45-Millionen-Einwohner-Staat in Osteuropa, der aufgrund seiner großen Weizenvorräte gerne als „Brotkorb Europas“ bezeichnet wird, hat einiges zu bieten. Vor allem die boomende Agrarwirtschaft und eine hochqualifizierte Bevölkerung machen die Ukraine zu einem interessanten Kandidaten für Investoren.

So facettenreich sich die ukrainische Landschaft mit ihren Waldsteppen und rauen Karpaten zeigt, so vielseitig ist auch ihre Kultur. Während auf der einen Seite die alten Volksbräuche der bunt bemalten Eier, Holzschnitzarbeiten und bestickten Tücher dank der staatlichen Unabhängigkeit 1991 wiederbelebt wurden, stehen auf der anderen Seite historische Städte inmitten eindrucksvoller Weinanbaugebiete. Besonders sehenswert ist Kiew: Mit knapp drei Millionen Einwohnern bleibt sie die größte Stadt sowie das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes.

Apropos Wirtschaft: Wussten Sie, dass …

… die Ukraine 2016 den dritten Platz der weltgrößten Getreideproduzenten belegt hat?

… die Ukraine den weltweit höchsten Anteil an Ackerboden mit bester Qualität besitzt, da er mit sehr fruchtbarer Schwarzerde überzogen ist?

… etwa ein Fünftel der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebt?

Herausforderungen der Landwirtschaft

Doch während die Ukraine einst mit „Land Grabbing“, also der illegalen Aneignung von Land, zu kämpfen hatte, zeigte vor einigen Jahren kaum noch jemand Interesse an ukrainischer Agrarfläche. Das lag zum einen an den weltweit gefallenen Nahrungsmittelpreisen, die an den Profiten zehrten – und zum anderen an starren Pachtverträgen. Außerdem fehlte es ukrainischen Agrarkonzernen an bezahlbaren Krediten und an geeignetem Fach- und Führungspersonal.

Ein Problem, das unter anderem auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland erkannt und eine Initiative gegründet hat, um den osteuropäischen Staat bei der Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft, einer effektiven Verarbeitungsindustrie und bei der Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen.

Denn die Experten sehen vor allem im Getreideanbau immenses Potenzial: Reiche, fruchtbare Böden und vergleichsweise niedrige Personalkosten machen die Ukraine in diesem Bereich für Investoren besonders lukrativ.

Wirtschaftszuwachs prognostiziert

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Osteuropa e.V., der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien hat sich die makroökonomische Lage in der Ukraine stabilisiert.

Experten rechnen in diesem Jahr mit einem Wirtschaftszuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 3,5 Prozent, das vor allem durch die hohe Nachfrage nach ukrainischen Nahrungsgütern im Ausland und Investitionen begünstigt wird.

Laut einer großen Umfrage von 214 Fondsmanagern bei 154 Investmentgesellschaften, die von Institutional Investor – einem auf internationale Finanzdienstleistungen spezialisierten Fachmagazin, durchgeführt wurde – wurde die Ukraine auf Platz eins für Reisen in den nächsten zwölf Monate als potenzielle Investition genannt (EMEA II-Umfrage vom August 2017).

Um den Aufschwung weiterhin fortzusetzen, hat die ukrainische Regierung das Investitionsförderbüro UkraineInvest ins Leben gerufen. „Unsere Strategie begann mit der Betreuung bereits etablierter Investoren im Land, da wir wussten, dass wir, um neue Investoren zu gewinnen, zuerst bestehende Investoren bei der Lösung ihrer aktuellen Probleme mit staatlichen Behörden unterstützen müssen“, so Daniel Bilak, Direktor von UkraineInvest.

Ziel des Investitionsförderbüros ist es, die Ukraine in die europäische Lieferkette zu integrieren und in innovationsgetriebene Ideen mit hohem Wertschöpfungspotenzial zu investieren. Zudem seien auch viele Investoren über den rasanten Aufstieg des IT-Sektors der Ukraine erstaunt.

„Die kontinuierliche dynamische Entwicklung der Innovationstechnologie ist für die Zukunft der Ukraine von grundlegender Bedeutung und bildet den Kern der 4 + 1-Sektorstrategie von UkraineInvest, die sich auf die wichtigsten Triebkräfte der Wirtschaft des Landes konzentriert“, erklärt Bilak. Dazu gehören das Agrarbusiness, die Energiewirtschaft mit Fokus auf regenerative Energiequellen, die Produktion sowie die städtische Infrastruktur.

Hoher Bildungsgrad

Der Fachkräfte-Nachwuchs spricht für sich: Nach Angaben von UkraineInvest zählt die Ukraine mit 130.000 neuen Ingenieuren sowie 16.000 IT-Absolventen pro Jahr zu den Spitzenreitern in Europa. Über 70 Prozent der Menschen haben einen Hochschulabschluss oder eine höhere Bildung – eine Tatsache, die dem nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg des Landes zugutekommt.

Mehr Informationen zum Educated Workforce

Dieses Interview wurde in Zusammenarbeit mit The Business Debate Korrespondentin Sarah Lockett und unserem Interviewpartner Daniel Bilak, Direktor von UkraineInvest, gefilmt.

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