Technologie

„GEHT NICHT, GIBT´S NICHT“

Warum Automobilhersteller an entlegenen Orten die Extreme suchen

Sie ist schon längst kein Trend mehr und trotzdem in aller Munde: die Digitalisierung. Dank modernster Technologien können nicht nur Arbeitsprozesse modernisiert und optimiert, sondern auch komplett automatisiert werden – wie die Automobilbranche etwa mit teil- und vollautonomen Fahrzeugen zeigt.

Doch bevor solche Technikwunder auf unseren Straßen gestattet sind, werden sie zu Erprobungszwecken zum Teil an die entlegensten Orte transportiert – eine logistische Herausforderung, die jedoch nicht zum Kerngeschäft der Automobilhersteller gehört. Aus diesem Grund holen sich viele Unternehmen externe Expertise ein, um sich selbst voll und ganz auf die Entwicklung und den Bau von zukunftsträchtigen Fahrzeugen zu konzentrieren.

Von eisiger Kälte bis in die Sandwüste

Ganz unabhängig davon, wie Autos künftig aussehen oder welche Antriebsarten in ihnen verbaut wurden – sie müssen zum Wohle der Verbraucher an den verschiedensten Orten untersucht werden. Während sogenannte Crashtests meistens in Herstellerregionen durchgeführt werden, bedarf es für die Werkstoffprüfung von Kälte und Hitze sowie für Geschwindigkeits- oder Fahrtests in schrägem, steilem oder abschüssigem Gelände andere klimatische Verhältnisse.

Doch wie gelangen diese Fahrzeuge – die nicht nur zu Überprüfungszwecken, sondern auch für Fotoshootings oder große Autoshows gebraucht werden – ans andere Ende der Welt? Nicht immer ist ein Pkw-Transport mit dem Lkw möglich – vor allem nicht, wenn das Ziel auf einem anderen Kontinent oder etwa in der Wüste liegt. „Die logistische Planung und Durchführung von A bis Z ist mitunter eine sehr spezielle Mammutaufgabe“, erklärt Marc Oedekoven, Vorsitzender der IQS Holding GmbH, die sich auf automobile Sondertransporte spezialisiert hat.

Gemeinsam mit Logistikpartnern und Dienstleistern wie Airlines, Lademittelherstellern, Verbänden und Spezialisten der Digitalisierung, optimiert IQS die komplette Logistik. Das reicht von der Beschaffung und Bereitstellung von Flurförderfahrzeugen bis hin zu mobilen Werkstätten in eisigen Polarregionen.

„Wir verstehen uns als hochprofessionelle, unternehmerische Logistikanbieter und manchmal auch als Abenteurer“, kommentiert Oedekoven. Der Reiz bestehe nach Aussage des Experten in der Lösung von kniffligen, noch nie da gewesenen Aufgaben und Projekten der Kunden. „Ein ‚geht nicht‘, gibt es bei uns nicht“.

„Wir fliegen zu Destinationen, die sonst niemand anfliegt“

Für Shows oder Shootings nutzt der Logistikanbieter zum Beispiel planmäßige Linienflüge und verstaut sensible Testautos, Oldtimer sowie Messe- oder Eventfahrzeuge mithilfe der von IQS entwickelten Planungsverfahren und Ladetechniken in den Bäuchen der Passagierflugzeuge. „Oft führen wir aber auch Teil- und Vollcharter durch, wie zum Beispiel mit Boeing-747-Frachtern, die dann gefüllt mit über 30 exklusiven Fahrzeugen auch zu Destinationen fliegen, die sonst niemand anfliegt“, weiß Oedekoven.

Genau dafür hat das Sondertransportunternehmen spezielle Container für die Luftfracht entwickelt, die sich digital öffnen und schließen lassen und über eine umfassende Telematik verfügen, womit auch die Verwaltung und andere Logistikdaten virtuell verknüpft sind.

Lithium-Ionen-Batterien: Eine logistische Herausforderung

Doch nicht immer funktioniert alles reibungslos: Eine große Herausforderung stellen derzeit Elektroautos und deren Lithium-Ionen-Batterien (LIB) dar. Schon die Mitnahme von Smartphone-Akkus, die aus LIB bestehen, ist auf Flugzeugen nur bis zu einer bestimmten Größe erlaubt. Bei großen LIB wird es schon weitaus komplizierter.

So verwundert es nicht, dass die meisten Luftfrachtcarrier den Flugzeugtransport von vielen großen Lithium-Ionen-Batterien nicht anbieten, weil sie es aufgrund nationaler Bestimmungen gar nicht erst dürfen. Doch wie gelangen diese Batterien nun von ihrer Produktionsstätte Fernost zum Beispiel nach Europa? Eine Frage, die bislang nach Antworten sucht.

„Wir können Elektromobilität hierzulande weiter propagieren und fördern, aber ohne neue Formen der Logistik wird diese so nicht stattfinden können“, appelliert der Vorsitzende der IQS Holding GmbH. Demnach sind Politik, Luftfahrtgesellschaften, Reedereien, aber auch die Spediteure, Fuhrunternehmer und die Verbände gefordert, einheitlich an einem Strang zu ziehen und sinnvolle Veränderungen herbeizuführen. Ganz konkret wünscht sich Oedekoven, dass zügig Gesetze, Sicherheitsbestimmungen, Zertifizierungen und Lademittel entwickelt und vereinheitlicht werden, die den weltweiten Transport von Lithium-Ionen-Batterien erleichtern.

 

Dieses Interview wurde in Zusammenarbeit mit The Business Debate Korrespondenten Ralph Szepanski und unserem Interviewpartner Marc Oedekoven, Vorsitzender der IQS Holding GmbH, gefilmt.

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