Technologie

Energiewirtschaft

Eine Branche unter Starkstrom

Mit der Energiewende rollt eine Welle von Veränderungen auf die Versorger zu: Um Marktanteile zu sichern, muss ihre IT hohen Sicherheitsanforderungen genügen und die Systeme fit sein für E-Autos und Ökostrom.

Die Energiewirtschaft steht unter Strom: Auf der einen Seite schwinden die Margen, auf der anderen Seite stehen hohe Investitionen ins Haus, die der gesetzlich verordnete Umbau der Infrastruktur mit sich bringt. Neben der Umstellung auf Sonnen-, Wind- und Wasserenergie fordert der Ausbau etwa der E-Mobilität seinen Tribut. Ein Beispiel: „Wenn in einer Siedlung mit 50 Einfamilienhäusern ab 17 Uhr neben jedem zweiten Haus ein Elektroauto in die Ladestation gesteckt wird, dann hat die Trafo-Station viel zu tun“, erklärt Ingo Schöbe, Leiter Smart Utility Solutions beim IT-Dienstleister GISA. „Damit bei den Nachbarn nicht die Lichter ausgehen, muss das Energienetz ausgesteuert werden.“ Hinzu kommt, dass immer mehr Verbraucher zugleich Stromerzeuger sind, etwa durch Photovoltaikanlagen auf dem Dach.

 

Voraussetzungen für E-Autos
Um die Stromversorgung weiterhin zu gewährleisten, ist eine smarte Infrastruktur notwendig, die Daten von Erzeuger- wie von Verbraucherseite erhebt und die Netze entsprechend anpassungsfähig macht. So werden nach und nach alle privaten Haushalte mit intelligenten Messsystemen ausgestattet, die Höhe und Dauer des Energieverbrauchs ermitteln, Statistiken zu Peaks und Durchschnittswerten errechnen und diese Informationen miteinander austauschen.

Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur dena sollen in den kommenden Jahren 40 Millionen Privathaushalte intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meter, erhalten. In acht Jahren soll jeder Haushalt damit ausgerüstet sein. „Damit werden wesentliche Teile der Energieeinspeisung und des -verbrauchs bis zum einzelnen Verbraucher steuerbar – eine wichtige Voraussetzung für den Ausbau der Elektromobilität“, sagt Schöbe.

Für Energieversorger heißt das, sie müssen nicht nur die intelligenten Messsysteme bei ihren Kunden installieren, warten und auslesen, sondern auch für die Sicherheit der Daten sorgen. Die Vorgaben des Bundesamts für Informationstechnik (BSI) sind streng. Das kann einige Anbieter an ihre Grenzen bringen, wenn sie diese Aufgabe eines Messstellenbetreibers nicht übernehmen können, etwa weil sie schlicht zu klein sind. Denn der Aufwand rentiert sich erst ab einer gewissen Anzahl an Kunden.

Mangelnde Größe ist bei Innogy kein Problem. Im Gegenteil: Die RWE-Tochter will bis 2024 eine Million intelligente Messsysteme verwalten, welche die strengen Auflagen des BSI erfüllen. Mit diesem Großprojekt hat der Erneuerbare-Energien-Anbieter den IT-Dienstleister GISA beauftragt. „Die Herangehensweise und die Durchführung des Projektes waren beispielhaft“, sagt Peter Thanisch, Projektleiter Smart MeGA bei Innogy. Zugleich braucht Innogy die Messsysteme nicht auszulagern und behält so den Zugang zu den wichtigen Kundendaten.

Vom Energieversorger zum Dienstleister
Das Beispiel Innogy zeigt, wie umkämpft der Markt ist. Seit einigen Jahren dürfen Haushalte ihren Messstellenbetreiber wechseln, genau wie den Stromanbieter. Das heißt, wer die Anforderungen an einen Messstellenbetrieb in Zukunft nicht mehr erfüllt, wird irgendwann auch den Zugang zum Kunden verlieren. Wer indes Zugang zu Kundendaten hat, kann weitere Produkte anbieten.

So hat kürzlich eine Umfrage der Unternehmensberatung Axxcon unter 1000 Privatpersonen ergeben, dass rund 60 Prozent der Befragten grundsätzlich bereit wären, Alarmanlage, Licht, Rollläden oder auch Elektrogeräte über eine App ihres Energieversorgers zu steuern. Rund zwei Drittel der Befragten können sich vorstellen, auch Internet- und Telekommunikationsdienstleistungen von ihrem Stromanbieter zu beziehen. „Die Energiewirtschaft entwickelt sich zu einem Dienstleistungssektor. Die neue Infrastruktur schafft die Voraussetzungen, dass aus Strom, Verbrauchsdaten und der Steuerungsfähigkeit neue Produkte entstehen“, resümiert GISA-Manager Schöbe.

Dieses Interview wurde in Zusammenarbeit mit unserem The Business Debate Korrespondenten Georg Sahnen und unserem Interviewpartner Ingo Schöbe, Leiter Smart Utility Solutions beim IT-Dienstleister GISA, gefilmt.

SHARE
RELATED POSTS
Die Mancher-DNA Der Digitalisierung
Vernetzung
Cyberkriminalität auf dem Vormarsch

Comments are closed.