Unternehmen

Digitalisierung der Bauindustrie

iPad statt Maurerkelle

Von Gebäuden aus dem 3D-Drucker über Big-Data-Ablaufplanung bis hin zu Drohnen und Robotern: Die Baubranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Das sind die fünf wichtigsten Technologietrends.

In Zukunft hat der Maurer nicht mehr nur Kelle und Eimer in der Hand, sondern auch ein iPad in der Tasche. Heutzutage trägt die Bauwirtschaft mit sechs Prozent zum globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, erwirtschaftet weltweit einen Jahresumsatz von knapp zehn Billionen US-Dollar. Kurzum: Sie ist ein bedeutender Wirtschafts- und Wachstumsfaktor.

Und ihre Bedeutung wird in Zukunft noch signifikant zunehmen. Bis 2030 soll die weltweite Bauleistung geschätzte 17,5 Billionen US-Dollar erreichen, rund 85 Prozent mehr als 2014. Dabei sieht sich die Branche mit großen Veränderungen konfrontiert, denn im Hinblick auf die Digitalisierung ist der Aufholbedarf groß.

 

Tradition hat noch Vorrang
„Die Baubranche selbst ist noch durch traditionelle Prozesse geprägt. Viele Beteiligte in der Wertschöpfungskette arbeiten im Hinblick auf IT-Unterstützung in Silos“, sagt Roland Zelles, Vice President EMEA & Global AEC Cloud Solutions bei Autodesk. „Der Fokus liegt auf dem physischen Bauwerk und die Industrie versteht noch nicht den Mehrwert eines digitalen Gegenstücks, das auch als digitales Wertschöpfungsobjekt verstanden werden kann.“

Der Experte nennt fünf Technologietrends, die das Zeug haben, die Branche nachhaltig zu verändern:

  1. Building Information Modeling (BIM): Dabei handelt es sich um virtuelle Bauwerksmodelle, die gegenüber herkömmlichen IT-Modellen deutlich mehr Informationen verarbeiten. Die bessere Verfügbarkeit von Daten für alle am Bauprojekt Beteiligten soll entscheidend zur Kostentransparenz, Effizienz und Termintreue beitragen. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur will durchsetzen, dass BIM bis 2020 der Standard bei neuen Verkehrsinfrastrukturprojekten des Bundes ist. Verkehrsminister Alexander Dobrindt erhofft sich dadurch Kosteneinsparungen von bis zu 20 Prozent. Experten zufolge werden sich die virtuellen Bauwerksmodelle in wenigen Jahren in ganz Deutschland durchsetzen.
  2. Drohnen und Roboter: „Mithilfe von Drohnen werden wir die analoge Welt in kürzester Zeit digitalisieren und die daraus gewonnenen Informationen für Wertschöpfungsprozesse nutzen können“, ist sich Zelles sicher. Aber auch Roboter, die Wände verputzen, oder Ziegelmauerwerk hochziehen, dürften bald zum Standard gehören.
  3. 3D-Druck: Der 3D-Druck wird nach Ansicht des Experten Fertigungsmethoden revolutionieren. Grund sind die immensen Vorteile des 3D-Drucks. In nur wenigen Tagen lassen sich ganze Häuser erstellen, die sonst wochen- oder monatelange Arbeit erfordern würden – und das zu einem Bruchteil der üblichen Kosten. So wurde vergangenes Jahr in kürzester Bauzeit das erste voll funktionsfähige Bürogebäude aus einem 3D-Drucker in Dubai errichtet. Das eingeschossige Gebäude mit einer Fläche von 250 qm kostete nur 140.000 US-Dollar, bei üblicher Baumethode wäre gut das Drei- bis Vierfache angefallen.
  4. Cloud-Computing: Online-Software wird sich als das Betriebssystem für die Zusammenarbeit in Bauprojekten durchsetzen. Das heißt, sämtliche Informationen zu einem Bauwerk werden stets aktuell, jederzeit und an jedem Ort verfügbar sein. “Das ist keine Utopie, sondern eher eine Frage der Anwendung bereits existierender Technologien”, sagt Zelles.
  5. Augmented Reality (AR): Die holographischen Benutzeroberflächen, bei der die virtuelle mit der realen Welt verknüpft wird – lässt sich etwa im Bereich Predicted Services einsetzen. So können bereits heute Gebäude oder Anlagen mithilfe von AR-Brillen gewartet werden.Unternehmen, die den Trend zur Digitalisierung in der Baubranche verschlafen, drohen abgehängt zu werden. „In diesem Rennen braucht die Baubranche digital erfahrene Partner wie Autodesk“, sagt Zelles. Der CAD-Pionier aus den USA bietet mit seinem breiten Kundensegment Orientierung und bestmögliche Lösungen rund um die verschiedenen Digitalisierungsdisziplinen.

„In diesem Veränderungsprozess unterstützen wir die Bauindustrie und die verschiedenen Beteiligten der Wertschöpfungskette durch Transformations-Beratung, Implementierungs-Coaching, ein durchgängiges Technologie-Angebot sowie maßgeschneiderte Geschäftsmodelle“, so Zelles.

 

Dieses Interview wurde in Zusammenarbeit mit unserem The Business Debate Korrespondenten Georg Sahnen und unserem Interviewpartner Roland Zelles, Vice President EMEA & Global AEC Cloud Solutions bei Autodesk, gefilmt.

SHARE
RELATED POSTS
Wer nicht Mit der Zeit geht, Muss Bald Gehen
Digitale Lieferkette
Silodenken Bremst Innovation

Comments are closed.