Unternehmen

Digitale Lieferkette

Nur so stark, wie das schwächste Glied

In Branchen mit komplexen Produkten wie der Automobilindustrie sind alle Lieferpartner voneinander abhängig. Durch eine digitale Lieferkette können Logistik-Verantwortliche Engpässe frühzeitig bemerken und gegensteuern.

Ein Mittwochmorgen Ende Mai im BMW-Werk in München. Wo sonst das gleichmäßige Surren von Förderbändern und das mechanische Klackern der Schweißroboter ertönt, herrscht Stille. Nur wenige Mitarbeiter sind heute zur Arbeit gekommen, die meisten Fließbänder und Maschinen bewegen sich nicht. Der Grund: Engpass beim Zulieferer Bosch. Die Stuttgarter produzieren keine Gussgehäuse mehr, die für die Lenkgetriebe verschiedener BMW-Modelle gebraucht werden.

Insgesamt zieht sich der Produktionsausfall über mehrere Tage hin, rund 8.000 Fahrzeuge kann BMW nicht rechtzeitig fertigstellen. Wie Bosch später bekannt gibt, hatte der italienische Zulieferer Albertini Cesare die Lieferung von Aluminiumteilen gestoppt, die Bosch für die Fertigung der Gussgehäuse benötigte.

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Der Fall macht deutlich: In Branchen mit komplexen Produkten konkurrieren längst nicht mehr einzelne Hersteller wie BMW oder Daimler miteinander – hier stehen ganze Liefernetzwerke (Supply Networks) im Wettbewerb. Reißt nur ein Knoten dieses Gefüges, wirkt sich das auf alle Partner aus. Unternehmen, die den aktuellen Zustand Ihrer Lieferungen nicht kennen, können auf Störungen oder Abweichungen nicht umgehend und vorausschauend reagieren. Erst wenn der Kunde oder die eigene Produktion bereits beeinträchtigt sind, wird sichtbar, dass es Engpässe im Liefernetzwerk gibt.

„Im besten Fall führt das zu erhöhten Lagerkosten, im schlimmsten Fall zu unzufriedenen Kunden“, sagt Christian Diestelkamp, Mitglied der Geschäftsführung des IT-Beratungsunternehmens abat. „Die umfassende Digitalisierung des Supply Networks schafft Transparenz und Planungssicherheit für alle Partner. So können Engpässe erkannt werden, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.“

Der gläserne Container
Verschiedene Technologien ermöglichen die umfassende Digitalisierung des Liefernetzwerks. Ein erster Schritt ist die Ausstattung von Ladungsträgern wie Boxen oder Containern mit kommunikationsfähigen Sensoren. Diese zeichnen unablässig Daten über Aufenthaltsort, Temperatur und Erschütterungen des Transportgutes auf und senden die Informationen drahtlos an ein zentrales System wie etwa SAP Transportation Management. Somit wird jeder Ladungsträger Teil des Internets der Dinge. Mithilfe von Machine Learning – einem Verfahren der Künstlichen Intelligenz – können die erhobenen Daten automatisch ausgewertet und notwendige Maßnahmen eingeleitet werden.

3D-Druck, Datenbrillen und Blockchain
Auch der 3D-Druck hat das Zeug, Lieferketten grundlegend zu verändern. Bereits heute ist es möglich, kleinere Ersatzteile dezentral herzustellen – Transport- und Lagerkosten entfallen größtenteils. Der Einsatz von Datenbrillen wie Google Glass vereinfacht die Kommissionierungsabläufe im Lager und verringert die Wahrscheinlichkeit von Fehllieferungen. Durch die Blockchain-Technologie können Lieferverträge automatisch überprüft werden, wodurch sich die Vertragssicherheit erhöht und die Transaktionskosten gesenkt werden. Aber auch weniger futuristische Themen wie Ressourcenplanung (Enterprise Ressource Planning, kurz ERP-Systeme) in der Cloud oder die sichere mobile Anbindung aller Mitarbeiter sind wichtig, um das eigene Liefernetzwerk wettbewerbsfähiger zu machen.

„Technologien sollten jedoch niemals um Ihrer selbst willen eingesetzt werden, oder weil es alle tun“, mahnt Innovationstreiber Diestelkamp. Stattdessen sollte immer die Frage im Vordergrund stehen, wie neue Technologien den Nutzen meines Kunden erhöhen können – selbst wenn sie damit das eigene Geschäftsmodell gefährden.“

Auf der Datenautobahn
abat bietet verschiedene maßgeschneiderte und sichere Lösungen (zertifiziert nach ISO 27001) für SAP zur Digitalisierung des Liefernetzwerks und unterstützt Kunden, neue Technologien zu evaluieren und einzusetzen. Die auf SAP basierende App TM-ON-STREET von abat etwa ermöglicht es, den Status von Transporten jederzeit zu erfassen. Das geschieht teils automatisch, kann aber auch manuell durch den Lkw-Fahrer erfolgen. Damit ist der Zustand von Transporten jederzeit transparent. Unternehmen können ihre Lieferqualität somit proaktiv beeinflussen, den Kunden pünktlich beliefern und so den Mehrwert für ihn signifikant erhöhen. „Das eigene Geschäftsmodell gehört in Bezug auf verfügbare Technologien regelmäßig auf den Prüfstand“, so Diestelkamp.

Dieses Interview wurde in Zusammenarbeit mit The Business Debate Korrespondenten Ralph Szepanski und unserem Interviewpartner Christian Diestelkamp, Mitglied der Geschäftsführung des IT-Beratungsunternehmens abat, gefilmt.

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