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Autonomes Fahren 4.0

Sicherheit trotz automobilem Wohnzimmerflair

Vom Tempomat über den Müdigkeitswarner bis hin zum Sich-im-Liegen-fahren-lassen-Zukunftsszenario: Die Entwicklung des autonomen Autos hat in jüngster Vergangenheit deutlich Fahrt aufgenommen. Die neuen Fahrzeuge bieten neben einem hohen Maß an Komfort auch nachhaltige Mobilität bei steigender Effizienz und Sicherheit.

Neue Entwicklungen wie automatisierte Autos und die Ausstattung heutiger Neuwagen mit einer Vielzahl an Fahrerassistenzsystemen sind Meilensteine der Branche und zeigen den signifikanten Fortschritt dieser Technologie. Automobilhersteller und -zulieferer sind zuversichtlich, das vernetzte, vollständig autonom fahrende Pkws die Mobilität vollständig verändern werden. Und was sagen die Fahrer dazu?

Ein Blick in die Zukunft
Fast die Hälfe der Deutschen stehen dem selbstfahrenen Auto aufgeschlossen gegenüber. So lautet das Ergebnis einer aktuellen „Deloitte Global Automotive Consumer Studie“, bei der 1.759 Personen in Deutschland befragt wurden. 44 Prozent der Teilnehmer verbinden mit einem vollautonomen Auto ein positives Fahrerlebnis. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) würde ein solches Fahrzeug sogar nutzen, wenn Kosten und/oder Sicherheit kein Thema wären – ein klarer Hinweis auf die Erwartungen zukünftiger Käufer.

Autonomes Fahren bringt „ein großes Plus an Sicherheit“
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass uns bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts technologischer Fortschritt beim sicheren Autofahren hilft. Das erste Assistenzsystem – der Tempomat, der automatisch die eingestellte Geschwindigkeit hält – wurde schon 1958 bei Chrysler in den USA eingebaut. Seitdem kamen zahlreiche intelligente Helfer wie etwa das adaptive Kurvenlicht oder der Bremsassistent dazu. Die immer weiterentwickelten Technologien übernehmen zunehmend Aufgaben, um menschliches Versagen abfangen zu können.

Das vollautonome Auto fährt und steuert dagegen komplett selbst und soll so Verkehrsunfälle weitestgehend minimieren. „Mit dem Einzug von Fahrcomputern werden wir die Fahrer deutlich entlasten und kritische Verkehrssituationen massiv reduzieren“, erklärt Alexander Dobrindt, Ex-Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur im DEKRA Verkehrsreport 2017. Damit sei die Entwicklung des automatisierten und vernetzten Fahrens nicht nur die größte Mobilitätsrevolution seit der Erfindung des Autos, sondern bringe auch ein großes Plus an Sicherheit mit sich.

Mehr als nur Schutz: Das fahrbare Wohnzimmer
Andreas Wlasak, Vizepräsident für Industrial Design des Automobilzulieferers Faurecia, geht sogar noch einen Schritt weiter: „Autonomes Fahren und zunehmende Konnektivität bieten nicht nur Schutz, sondern verändern das Fahrerlebnis und auch den Fahrzeuginnenraum erheblich, womit neue Nutzungsmöglichkeiten für Insassen entstehen“. So biete Faurecia ein intelligentes Interieur, dass Sicherheit und Wohlbefinden mithilfe einer direkten Integration von Elektronik sowie smarten Oberflächen, Displays und Human Machine Interface (HMI) vereint. Der Fahrzeuginnenraum könne so bald sogar als Büro oder Wohnzimmer genutzt werden.

„Da die Passagiere künftig nicht mehr nur in Fahrtrichtung sitzend angeschnallt sind und aufrecht sitzen, sind neue Lösungen für eine verbesserte Sitzergonomie, mehr Komfort sowie Sicherheit (u.a. die Integration von Sitzgurte und Airbags) nötig“, erklärt Wlasak. Hierfür arbeitet Faurecia seit Anfang 2017 mit dem Unternehmen ZF zusammen. Ziel dieser strategischen Partnerschaft sei es, zukunftsweisende und einzigartige Innenraum- und Sicherheitstechnologien für das autonome Fahren zu entwickeln und einen ständigen Austausch zu pflegen und sich in seinen Kompetenzen perfekt zu ergänzen.

AVS: Der Sicherheit-Kokon
Mit der Advanced Versatile Structure (AVS) wurde bereits ein erstes Ergebnis dieser Zusammenarbeit auf der Internationale Automobil-Ausstellung 2017 in Frankfurt vorgestellt. Das neue Rahmenkonzept AVS basiert auf einer elektrischen Kinematik, die es Fahrgästen erlaubt, ihren Sitz einfach zurückzulehnen, zu heben und zu drehen, ohne dabei auf Sicherheitsvorrichtungen zu verzichten. Im Autositz sind nämlich Sicherheitsgurt und Gurtretraktor bereits integriert. Darüber hinaus verfügt die zweiteilige Rückenlehne am Fahrer- und Beifahrersitz über zwei integrierte Seitenairbags, die die Insassen so zusätzlich bei einem Unfall schützen sollen.

Ein Fazit: Autonome Fahrzeuge ermöglichen neue Nutzungsoptionen für die Innenausstattung des Autos, da sich die Fahrer nicht mehr auf den Verkehr konzentrieren müssen. Außerdem rücken vermehrt effiziente, umfassende und vor allem bezahlbare Mobilitätsangebote in den Mittelpunkt der bereits sehr dynamischen und aktuell im radikalen Wandel befindlichen Automobilbranche. Wlasak fasst zusammen: „Die Entwicklung befördert neue Geschäftsmodelle und Marktteilnehmer, bietet aber auch neue Geschäftschancen für Automobilhersteller“.

Demnach werde man sich bei Faurecia noch stärker mit der nahtlosen Integration von Mobile Device und neuen Konnektivitätslösungen für den Fahrzeuginnenraum beschäftigen. Vor allem die zunehmende Vernetzung, Shared Mobility und Elektrifizierung werden die Automobilindustrie in den kommenden zehn Jahren maßgeblich prägen.

Dieses Interview wurde in Zusammenarbeit mit The Business Debate Korrespondenten Dr. Martin Roos und unserem Interviewpartner Andreas Wlasak, Vizepräsident für Industrial Design des Automobilzulieferers Faurecia, gefilmt.

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